QUALITÄT SICHERN

Bieten Sie qualifizierte Fortbildungen zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend an?

Wie üblich in der Erwachsenenbildung, so ist auch im spezifischen Themenfeld sexualisierte Gewalt das Fortbildungsangebot dynamisch, heterogen, institutionell plural und nicht immer eindeutig abgrenzbar. Es fehlt zum Teil noch eine deutliche Differenzierung von dem, was unter 'Prävention', 'Fortbildung' oder 'Schutzkonzept' jeweils verstanden wird (vgl. Kavemann, Nagel & Hertlein 2016, S. 32).

Für Fortbildungen, die im „Fortbildungsnetz sG“ aufgeführt werden können, sind Kriterien festgelegt. Sie können überprüfen, ob Ihre Veranstaltungen alle inhaltlichen und formalen Merkmale mitbringen.

Wie das genau geht und warum das wichtig ist, erfahren Sie auf dieser Seite.

Wenn Sie Ihre Veranstaltungen im "Fortbildungsnetz sG" veröffentlichen, dann ist es erforderlich, dass Sie

Sechs Grundsätze im "Fortbildungsnetz sG" für Fortbildungen zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend

  1. Parteilichkeit für Betroffene: Die Verantwortung für sexualisierte Gewalt liegt immer bei den Tätern und Täterinnen. Jedes Handeln in Prävention und Intervention muss dies deutlich machen und dem Schutz, dem Wohl und der Selbstbestimmung von Betroffenen dienen.
  2. Sexualisierte Gewalt ist ein Ausdruck von Geschlechter- und Machtverhältnissen.
  3. Die Verantwortung für Prävention und Intervention liegt bei Erwachsenen.
  4. In der Fortbildungsarbeit zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend gehören die Vermittlung von reflektiertem Wissen und Handlungskompetenzen unbedingt zusammen.
  5. In jeder Bildungs- und Beratungsarbeit zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend müssen konkrete Hinweise auf die mögliche externe fachliche Beratung gegeben werden (Hilfetelefon, Kontaktdaten zu Fachberatungsstellen; nicht nur die eigenen Angebote).
  6. Ich lehne jedes Gedankengut und Handeln ab, das sich gegen ein menschenwürdiges, tolerantes, der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und den rechtsstaatlichen Grundsätzen entsprechendes Miteinander richtet. Das betrifft rechtsextreme, sexistische, homophobe, rassistische, antisemitische, antimuslimische und antifeministische Positionen.

Qualitätskriterien für Fortbildungen zu sexualisierter Gewalt der DGfPI

Die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention (DGfPI) hat Qualitätskriterien für Fortbildungen zu sexualisierter Gewalt formuliert:

Qualifizierte Fortbildungen

  • bieten ausreichend Zeit, einen angenehmen und klaren Rahmen sowie einen nachvollziehbaren Umgang mit Zeitstrukturen;
  • sollen bei komplexen Bedarfen von zwei Referent*innen durchgeführt werden;
  • vermitteln Fachwissen zu Formen und Folgen sexualisierter Gewalt, Täter*innenstrategien und Handlungsmöglichkeiten;
  • bieten die Möglichkeit, sich mit der eigenen beruflichen oder ehrenamtlichen Rolle auseinanderzusetzen;
  • vermitteln ein Verständnis von sexualisierter Gewalt im Hinblick auf eigene Vorannahmen, innere Bewertungen und kulturelle Prägung;
  • geben Raum, sich mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen und diese zu gestalten;
  • vermitteln die Wirkung von Grenzsetzung;
  • ermöglichen die Auseinandersetzung mit den eigenen Grenzen und der eigenen Konfliktfähigkeit;
  • zeigen Prävention als Querschnittsthema innerhalb von Institutionen und vermitteln Ansatzpunkte zur Umsetzung;
  • informieren über angemessene Intervention, lokale Fachstellen und deren Netzwerke.

Erfahrene Referentinnen und Referenten verfügen über

  • aktuelles Fachwissen zu Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt;
  • Wissen über Organisationen und ihre Strukturen;
  • Kompetenz im Umgang mit Betroffenen;
  • Fähigkeiten der Reflexion sexualisierter Gewalt im interkulturellen Kontext;
  • Erfahrung in der Arbeit mit Gruppen;
  • eine klare und transparente Haltung im Umgang mit sexualisierter Gewalt;
  • Reflexionsmöglichkeiten und fachlichen Austausch.

Kriterien für Veranstaltungen, die im „Fortbildungsnetz sG“ angeboten werden können

Fortbildungsveranstaltungen im "Fortbildungsnetz sG"

  • vermitteln eine klare und transparente Haltung zu sexualisierter Gewalt: die Verantwortung für sexualisierte Gewalt liegt immer bei den Tätern und Täterinnen, die Verantwortung für Prävention und Intervention liegt bei den Erwachsenen;
  • adressieren Studierende/Auszubildende (pädagogisches Arbeitsfeld) oder beruflich bereits qualifizierte Fachkräfte, Personen mit einschlägiger Berufspraxis oder Ehrenamtliche, die im pädagogischen Handlungsfeld tätig sind;
  • dienen hauptsächlich dazu, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, ihr aktuelles berufliches Handeln im Umgang mit sexualisierter Gewalt zu reflektieren, zu erweitern und/oder zu erhalten bzw. aufzufrischen;
  • haben das grundsätzliche Ziel, Sicherheit und Handlungsmöglichkeiten in der Umsetzung von Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt in der Praxis ihrer Teilnehmenden zu entwickeln und zu stärken;
  • vermitteln den Teilnehmenden Fachwissen und Handlungskompetenzen durch geeignete Methoden;
  • lassen sich einem der folgenden Formate zuordnen: Seminar, Vortrag, Konferenz, Tagung, Workshop, E-Learning, Bildungsreise, Blended Learning (Kombination aus Präsenz- und E-Learning-Elementen).

Reflexionsleitfaden

Zentral für „gute“ Bildungsarbeit ist die stetige fachliche Reflexion dessen, was und wie in Fortbildungsveranstaltungen gelehrt und gelernt wird, wie sich Gruppenprozesse entwickeln, der Einsatz von Methoden gelingt, mit Widerständen und Störungen umgegangen werden kann uvm.

Für die Reflexion der eigenen Fortbildungskompetenzen sowie der Kompetenzen, die in Fortbildungen vermittelt werden, stellt das „Fortbildungsnetz sG“ einen umfangreichen und diskussionswürdigen Reflexionsbogen zur Verfügung. Dabei geht es nicht darum, dass Fortbildende alle aufgeführten Lehr-Kompetenzen mitbringen oder in jeder Veranstaltung alle Lern-Kompetenzen vermitteln müssen, sondern um die Reflexion der eigenen Praxis und der eigenen Entwicklungspotenziale.

Das „Fortbildungsnetz sG“ bietet kein eigenständiges, umfassendes oder fertiges Qualitätsmanagementsystem an. Der zur Verfügung gestellte Reflexionsbogen kann eine Annäherung an ein gemeinsames Qualitätsentwicklungssystem im Themenfeld sexualisierte Gewalt sein. Er schließt an bereits Bestehendes, wie das LQW (spezifisch für die Erwachsenenbildung entwickeltes Qualitätsmodell), das BMBF-geförderte Projekt GRETA  (Grundlagen für die Entwicklung eines trägerübergreifenden Anerkennungsverfahrens von Kompetenzen Lehrender in der Erwachsenen- und Weiterbildung), den Kriterien- und Reflexionsleitfaden für Präventionsmaterialien zu sexualisierter Gewalt des BMBF-geförderten Projekts „Präventionsmaterialien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zum Themenbereich Sexualisierte Gewalt“ der Katholischen Hochschule NRW sowie das Kompetenzmodell für das Themenfeld sexualisierte Gewalt nach Gebrande (2020, im Erscheinen) an.

Hier gelangen Sie zu unserem Reflexionsbogen

Rückmeldungen von Teilnehmer*innen

Teilnehmer*innen erhalten die Möglichkeit, anonym und online-basiert eine Einschätzung zu ihren Erfahrungen in einer besuchten Fortbildung zu liefern. Die im „Fortbildungsnetz sG“ registrierten Fortbildenden werden hierzu in allen ihren Veranstaltungen einen Link zu der anonymen Evaluation des "Fortbildungsnetzes sG" an die Teilnehmenden geben, die dann über ihre Smartphones oder Tablets vor Ort kurz ihr Feedback abgeben können.

Auf diesem Weg werden systematisch auch die Rückmeldungen von Teilnehmer*innen aus Fortbildungen in den Qualitätsdiskurs im Themenfeld aufgenommen.

Qualitätssicherung durch ein Beschwerdesystem

Im "Fortbildungsnetz sG" bestehen zwei Wege, eine nicht ausreichende Qualität der Angebote und Referent*innen mitzuteilen: die Online-Rückmeldung (Evaluation) durch die Teilnehmer*innen und der direkte Kontakt zum "Fortbildungsnetz sG".

Was passiert bei einer Beschwerde über eine Fortbildung zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend?

Alle Referent*innen erklären dem "Fortbildungsnetz sG" gegenüber schriftlich, dass sie die Grundsätze des "Fortbildungsnetzes sG" sowie die Qualitätskriterien der DGfPI teilen und sichern zu, dass sie ihre Fortbildungsarbeit regelmäßig leitfadengestützt reflektieren.
Dennoch kommt es vor, dass wichtige Botschaften nicht zielgruppengerecht vermittelt werden, es zu ungeklärten Konflikten und Spannungen oder zu Diskriminierung, Belästigung, Grenzverletzungen oder Übergiffen kommt.

1. Online-Rückmeldung (Evaluation) durch die Teilnehmer*innen

Alle Referent*innen haben der anonymisierten Online-Rückmeldung durch ihre Teilnehmer*innen zugestimmt. Am Ende jeder durchgeführten Veranstaltung geben die Referent*innen den Link zur Online-Rückmeldung an ihre Teilnehmer*innen, die direkt über ihre Smartphones die Veranstaltungsnummer eingeben und ihr Feedback abgeben können.

Wenn

  • mehrere Teilnehmer*innen negative Rückmeldungen geben,
  • negative Rückmeldungen durch Teilnehmer*innen wiederholt erfolgen,

dann

  • nimmt das "Fortbildungsnetz sG" Kontakt zu Referent*in/Institution auf und informiert über die gehäuften negativen Rückmeldungen. Im Gespräch werden mögliche Ursachen erörtert. Es werden zwischen Referent*in und "Fortbildungsnetz sG" konkrete Vereinbarungen in Bezug auf die zukünftige Fortbildungsarbeit getroffen.

Wenn

  • weiterhin negative Rückmeldungen durch Teilnehmer*innen erfolgen und die Ursachen für die negativen Rückmeldungen nicht geklärt, ausgeräumt und/oder beseitigt werden können,

dann

  • wird das "Fortbildungsnetz sG" die betreffenden Veranstaltungen und Referent*innen aus dem Fortbildungsnetz löschen.

2. Direkter Kontakt zum "Fortbildungsnetz sG"

Die Teilnehmer*innen haben die Möglichkeit, ihre Fortbildungserfahrungen mit den Grundsätzen des "Fortbildungsnetzes sG", den Qualitätskriterien der DGfPI und dem Reflexionsbogen zu fach- und feldspezifischen Kompetenzen abzugleichen. Bei negativen Erfahrungen, insbesondere mit Bezug auf nicht ausreichende Qualität entsprechend unserer Kriterien, die nicht direkt mit dem/der Referent*in oder deren Arbeitgeber*innen geklärt werden können, besteht für Teilnehmer*innen die Möglichkeit, sich an das "Fortbildungsnetz sG" zu wenden.


Wenn

  • ein*e Teilnehmer*in oder Mitarbeiter*in sich anonym oder namentlich per E-Mail oder telefonisch mit einer Beschwerde an das "Fortbildungsnetz sG" wendet,

dann

  • wird die Beschwerde nach Art und Inhalt dokumentiert,
  • vermittelt das "Fortbildungsnetz sG" zwischen Referent*in und Teilnehmer*in,
  • unterstützt das "Fortbildungsnetz sG" bei der Suche nach Angeboten zur Konfliktklärung,
  • nutzt das "Fortbildungsnetz sG" externe Beratung, insbesondere bei Beschwerden bezüglich (sexualisierter) Diskriminierung, Belästigung, Grenzverletzung und Gewalt),
  • löscht das "Fortbildungsnetz sG" Angebote und Referent*in vorübergehend oder dauerhaft aus dem "Fortbildungsnetz sG".

Für Beschwerden, die das "Fortbildungsnetz sG" selbst betreffen, beabsichtigen wir die Einrichtung einer externen Stelle.

Momentan klären wir, welche Personen geeignet sind, die inhaltliche Kompetenzen und gleichzeitig die notwendige Unabhängigkeit mitbringen.