ÜBER UNS

Wir sind ein Zusammenschluss von ca. 700 Fachkräften (Einzelpersonen und Institutionen) aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland, die sich gemeinsam zum Ziel gesetzt haben, aktiv für eine Verbesserung des Kinderschutzes einzutreten.

Die DGfPI bietet ein Forum für Angehörige aller Berufsgruppen, die in ihrer alltäglichen Arbeit mit den verschiedenen Formen von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung Verantwortung tragen und mit den Betroffenen sowie deren Familien arbeiten.

Dazu zählen Fachkräfte aus allen Bereichen der Sozialarbeit, Pädagogik, Polizei, Justiz, Gerichts- und Bewährungshilfe, Medizin, Therapie und Beratung sowie aus Lehre und Wissenschaft.

Die BZgA nimmt auf Bundesebene Aufgaben der Prävention und Gesundheitsförderung wahr. Sie entwickelt Konzepte und Strategien und setzt diese in Kampagnen, Programmen und Projekten um. Die BZgA hat langjährige Erfahrung mit Modellprojekten, in der Aus- und Fortbildung von Fachkräften sowie in der Arbeit mit verschiedenen Zielgruppen.

Seit 2012 ist die BZgA auch für die Prävention sexualisierter Gewalt zuständig. Gemeinsam mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) setzt sie die bundesweite Initiative „Trau dich!“ zur Prävention des sexuellen Kindesmissbrauchs um. Die Initiative ist Teil der Strategie der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung. Trau dich! wendet sich an Kinder und Erwachsene, qualifiziert pädagogische Fachkräfte und trägt so zur Vernetzung und zu einer nachhaltigen Prävention sexualisierter Gewalt an Schulen bei.

Warum diese Datenbank?

Bisher existierte keine aktuelle bundesweite Übersicht von qualifizierten Fortbildungsangeboten zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend. Das Kooperationsprojekt von DGfPI und BZgA bietet mit dem „Fortbildungsnetz sG“ eine Plattform, die für interessierte Teilnehmende genauso wie für Fortbildende Orientierung, Sichtbarkeit, Vernetzung, Transparenz und Qualitätsdialog über Fortbildungen zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend ermöglicht. Der wichtige Präventions-Baustein „Fortbildung“ erhält damit eine deutschlandweite digitale Infrastruktur.

Im "Abschlussbericht Runder Tisch Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich" von 2011 heißt es:

„Zu den Charakteristika sexuellen Missbrauchs gehört, dass er stärker als andere Formen von Gewalt oft unentdeckt bleibt oder nicht aufgeklärt wird. Manchmal gehen Erwachsene nicht jedem Hinweis oder unguten Gefühl nach oder erkennen aus Unwissenheit schlicht die Risiken nicht, die eine Situation birgt. Bekannt ist jedoch, dass es in den meisten Fällen Anzeichen gibt, die geschulte Beobachterinnen oder Beobachter bemerken und wahrnehmen können. Das ist besonders schwierig, aber umso wichtiger, wenn zum Beispiel der eigene Kollege oder die eigene Kollegin im Verdacht steht. Aus diesem Grund ist die Weitergabe von Wissen zu sexualisierter Gewalt und ihren Folgen an all jene unerlässlich, die Kinder und Jugendliche erziehen, bilden und betreuen. Es ist sowohl Aufgabe der Eltern als auch Teil der Bildungs- und Erziehungsarbeit in Kindergärten und Schulen, Kinder und Jugendliche in ihrer Gesamtpersönlichkeit zu stärken, sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und zu benennen. Außerdem sind sie geschlechtsdifferenziert und altersangemessen über Formen von (sexualisierter) Gewalt und über ihre eigenen Rechte zu informieren. All jene, die professionell oder ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, müssen sensibilisiert werden.“ (S. 37)

Die bundesweite Initiative „Trau dich!“ der BZgA und die Initiative „Kein Raum für Missbrauch!“ des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) befördern seit dem die Präventions- und Interventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt und die flächendeckende Einführung von Schutzkonzepten in Schulen, Kitas und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Fortbildungen von pädagogischem und ehrenamtlichem Personal sind dabei ein ganz wesentlicher Bestandteil – eine Tatsache, die häufig noch zu wenig Aufmerksamkeit erfährt. In politischen Positionspapieren, in Medienberichten, in Forderungskatalogen, auf Fachveranstaltungen und in Gremien auf Bundesebene wird seit 2010 zwar kontinuierlich auf die Notwendigkeit von Fort- und Weiterbildung, Qualifizierung und Familienbildung im Themenfeld des sexualisierten Machtmissbrauchs hingewiesen. Diesen allgemeinen Forderungen müssen zukünftig jedoch schneller konkrete Informationen aus der gelebten Fachpraxis folgen, um von der reinen Information ins (fach-)praktische Handeln zu kommen. 

Zu solchen Informationen gehört die Benennung von Adressatinnen und Adressaten sowie von qualifizierten Fortbildenden – sprich: eindeutige Antworten auf die Frage: „Wer kann sich von wem fortbilden lassen?“ Und dazu gehört auch wesentlich die Formulierung, um welche Art von Wissen und Vermittlung es sich aus fachlicher Sicht handeln sollte – also: „Was muss man wissen, um handlungsfähig gegen sexualisierte Gewalt zu sein, und was ist eine gute Fortbildung zu sexualisierter Gewalt?“

Die Antworten hält die Praxis vor. Eine Entwicklung und Professionalisierung im Bildungsbereich zu sexualisierter Gewalt findet vielerorts längst statt, auch wenn dies so nicht explizit hervorgehoben und bekannt wird. Durch ihre Beratungsarbeit verfügen die spezialisierten Fachberatungsstellen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend über ein enorm fortentwickeltes und stets aktuelles fachpraktisches Wissen zu Präventions- und Interventionsverläufen. Damit scheint es folgerichtig, eine Beratungsstelle als Lernort zu begreifen (vgl. Kraus 2015), auch um Präventions- und Bildungsangebote weiterzuentwickeln.

In Fortbildungen zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend sind neben allgemeinen pädagogischen Kompetenzen der Bildungsarbeit/Didaktik und Positionierungen zum fachpolitischen Geschehen feldspezifische Kompetenzen zu Prävention und Intervention relevant. Sie werden in Fortbildungen mit dem Ziel vermittelt, dass pädagogische Fachkräfte sicher zum Schutz und Wohl von Kindern und Betroffenen handlungsfähig sind:

„Das Ziel einer jeden Aus- und Fortbildung zu sexualisierter Gewalt ist also die Entwicklung von Handlungskompetenz. (…) In Aus- und Fortbildungen geht es deshalb nicht nur um die Vermittlung von Fachwissen und Methodenkompetenzen, sondern um Sensibilisierung, Perspektivenerweiterung und Handlungsmöglichkeiten der Teilnehmenden. Dabei müssen Sie [die Fortbildenden] sich immer wieder bewusstmachen, dass sexualisierte Gewalt ein sehr persönliches und intimes und nach wie vor mit unangenehmen Gefühlen behaftetes Thema ist." (Gebrande BZgA im Erscheinen)

Darüber, wie die Vermittlung von Wissen und Handlungskompetenz im Arbeitsfeld sexualisierte Gewalt an Erwachsene am besten gelingen kann, gibt es einen jahrzehntelangen fachlichen Diskurs. Dieser ist als solcher noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. Jedoch existiert eine ganze Reihe Fachliteratur aus der Perspektive von fortbildenden Fachkräften, wie die jüngere Arbeit „Fortbildungen als wesentlicher Bestandteil der Prävention von sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend. Partizipative Erhebung über Gelingensbedingungen, Qualität und Nachhaltigkeit von Fortbildungen“ von Barbara Kavemann und Bianca Nagel (BZgA 2018). Die Entwicklungen und der Stand der bundesweiten erwachsenenbildnerischen Verhandlungen und Entwicklungen im Themenfeld werden und wurden im Zusammenhang der DGfPI (früher Bundesverein) geführt und sind im Archiv der Fachzeitschriften (DGfPI und früher Bundesverein) gut nachzuvollziehen.

Die im Fortbildungsnetz sG geltenden Grundsätze, Qualitätskriterien und Instrumente knüpfen an diese konkreten Entwicklungen der Fachpraxis an.

Seit den 80er Jahren gibt es in Deutschland Fortbildungsangebote zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend durch dafür qualifizierte Fachkräfte (vgl. BZgA 2018, S. 14). Während dieser Zeit haben sich Themen, Methoden und Standards in der Fortbildungsarbeit (weiter-)entwickelt und etabliert, es hat sich bildungs- und themenspezifische Fachexpertise ausgebildet und über Qualität wurde und wird diskutiert. Die Politik, die Gesetzeslage, die Bedingungen, unter denen sexualisierte Gewalt verübt und besprochen wird, verändern sich im Laufe der Jahre. Die gesellschaftliche Skandalisierung von Geschehnissen wie der sog. Missbrauchsskandal 2010, die breite Medienberichterstattung über die Fälle digitaler sexualisierter Gewalt in Staufen, Lügde und Münster finden Eingang in Fortbildungsveranstaltungen und haben Einfluss auf Nachfrage und Angebot von Bildungsveranstaltungen zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend. Die Bedürfnisse der Teilnehmenden sind verschieden, je nach Arbeitskontext, Vorwissen, Erfahrung und Motivation. Fortbildende entwickeln ihre Angebote stetig in diesem Spannungsfeld von gesellschaftlichem Bedarf, Bedürfnissen der Adressierten sowie eigenen Organisationszielen (Siebert 2012, S. 87):

„Von professionell Handelnden wird erwartet, dass sie die Verbindung zwischen Wissen, Bedarfen, Bedürfnissen, Kompetenzen sowie Interessen von Gruppen und Milieus in Arbeits- und Lebenswelten identifizieren, begründet darstellen und konzeptionell ausarbeiten.“ (Gieseke 2015, S. 167)

Das "Fortbildungsnetz sG" bietet für alle Fortbildner*innen und Adressat*innen bundesweit transparente Kriterien zu feldspezifischen Kompetenzen in Prävention, Intervention und Bildungsarbeit. Dies ist notwendig, da sexualisierte Gewalt nach wie vor ein tabuisiertes und mit vielen negativen Gefühlen und Erfahrungen assoziiertes Thema ist. Wer zum Thema sexualisierte Gewalt arbeitet, der muss einen professionellen Umgang und eine Expertise in der betroffenen- und kindgerechten Arbeit mitbringen.

Mit dem "Fortbildungsnetz sG" möchten wir interessierte Adressat*innen und Fortbildner*innen zu sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend zusammenbringen und die Qualitätsentwicklung in diesem Arbeitsfeld fördern und fordern!

Haben Sie dazu Ideen, Wünsche, Rückmeldungen oder Kritik an unserem Angebot?

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.